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Das ist ernst. Nicht lachen. Grind Core im From Hell
Das zweite Chaos Empire-Event im Februar stand unter den Vorzeichen des Death Metal und Grind Core. Insgesamt fünf Bands hatten sich unter diesem Motto im Club From Hell in Bindersleben eingefunden: Brumm Brumm Böse, Napalm Entchen, Gorecast, Gomorrha und Fleshless (CZ).
„Wir haben eine Band, eine durchgeknallte Band […], hey Brumm Brumm Böse, wir machen was uns gefällt.“ Zur Melodie von Pipi Langstrumpf erklommen maskierte Zipfelmützen und Hotpants die Bühne. Brumm Brumm Böse, die Opener, schwebten fernab der Metalwelt in ihrer ganz eigenen Galaxie. Sie brachten gleich zu Beginn den Kuschelfaktor auf die Bühne. Mit Federboa und Hausschuhen growlten sie sich charmant unseriös ihren Weg in die Gehörgänge der Gäste. Der Blick auf die durchtrainierten Oberschenkel von Frontmann Clark Gayble jedoch lenkte ungewollt stark vom Gesang ab. Und kein Mitleid bitte. Dieser Abend versprach spaßig zu werden. Brumm Brumm Böse legte los und man dachte nur „What the fuck…!“ Egal wohin man im Zuschauerraum blickte, grinsende und lachende Gesichter. BBB sind eine Spaßcombo allererster Güte, was sie wahrscheinlich nicht gern hören, da sie ihr Programm bierernst durchziehen. Sänger Clark hatte das Mitleid einer jeden Frau sicher, die jemals in ihrem Leben Hotpants trug. Sein Bühnenoutfit erwies sich ab und an als recht kneifend und musste immer wieder zurecht gezupft werden. Ein Elend. Schlimmer ging es nur Gitarrist Sergay in seinem schwarzen Spitzenfummel. Sie waren sich auch nicht zu schade „Song 2“ von Blur zu covern und soundtechnisch zu verbessern. Von der Aussage mal abgesehen. Das muss man gehört haben.

Brumm Brumm Böse Fotos: Maik Gaede für [a]live: promotion, 2009
Den zweiten Act des Abends bestritten die Brandenburger von Goregast. Frontfrau Tina holte aus ihrem Körper eine schier unmögliche Stimme. Die fünfköpfige Band bot kraftvollen Grind Core. Mit Message. Und darin lag das Problem. Ja, wir alle lieben Tiere. Ja, wir sind nur Menschen. Nein, wir sind nicht böse, böse, böse. Einen „wunderschönen Strauß voller Hass für die Menschheit und Liebe für die Tiere“ kündigte Sängerin Tina an und zog es auch – leider – durch. Tierschützer in musikalischer Mission. Leider fehlte dazu der nötige Kontakt zum Publikum, denn bei ihren Ansprachen zwischen den Songs, drehte sich die Frontfrau immer wieder weg vom Bühnenrand hin zum Drummer. Wenn sie nach vorne ging, dann mit geschlossenen Augen. Das muss noch geübt werden. So schnell verging die Zeit, wenn man sich amüsierte – doch haben wir das? Nach dem Opener kamen Goregast zu schwer rüber. Die Stücke an sich waren sauber gespielt und performt. Wenn da nicht immer die Moral der bösen, bösen Menschen und der wehrlosen Tiere wäre. Nach dem tausendsten Mal kann man es nicht mehr hören, bekommt aber Hunger auf ein Steak. Ein Teufelskreis. Die Nächsten, bitte.

Goregast Fotos: Maik Gaede für [a]live: promotion, 2009
Und sie kamen: die Tschechen von Fleshless. Die Headliner des Abends traten früher auf als ursprünglich geplant, denn der Heimweg würde lang werden und man müsse ja auch wieder arbeiten. So legten sie dann auch umgehend und brachial los. „Ahoi“ und „Dankeschön“ reichten aus, um mit dem Publikum auf einen Nenner zu kommen. Grind Core funktioniert sprachübergreifend. Die Salven, die der Drummer auf die geneigten Ohren prasseln ließ, warum unglaublich intensiv und pulsbeschleunigend. Die Tschechen schienen aphrodisierend auf das Publikum zu wirken. Ein Pärchen wälzte sich vollkommen enthemmt am Bühnenrand. Nebenan wurde währenddessen absolut unbeeindruckt geheadbangt und performt. Das ist Metal!
Die nächste Band, Gomorrha aus Jena, schlossen nahtlos da an, wo Fleshless aufgehört hatten. Unter reger Publikumsbeteiligung ging es munter weiter im Core. Der immer grinsende, mimisch hervorragend ausgestattete Frontmann Timo ließ keinen Meter Abstand zwischen sich und den Fans aufkommen. Die Songs von Gomorrha gespickt mit „ultimativen Tanzparaden“, so Timo auf der Bühne, ließen keinen Fuß oder Bauch im From Hell still stehen. Die Band war nach Aussage von Drummer Florian auch bestens vorbereitet angetreten. Zu den Ritualen vor einem Auftritt gehören demnach eine stundenlange Anreise im kleinen überfüllten Auto, Witze erzählen, albern sein, Bier trinken und dann ab auf die Bühne. Hat geklappt.
Napalm Entchen durften zum Abschluss die Bühne rocken. Vorweg geschickt sei, dass auch Napalm Entchen keine Comedy sind. Sie sind äußerst engagiert und haben zwei feste Themen, um die sich ihr musikalisches Leben dreht: Fußball und Kannibalismus. Der ernst zu nehmende Song „Penis Pitti“ verarbeitet die schlechten Erfahrungen der Bandmitglieder H-Bob, Cypress und Tante Karin mit dem Sandmännchen, Spionage und dem Kalten Krieg. Welche Rolle Fußballer und Kannibalen in dieser kafkaesken Konstellation einnehmen, konnte nicht mehr bestimmt werden. Die drei Napalm Entchen boten Politik ad absurdum – aber mit Message: „Nazi Ducks fuck off!“
Es durfte gemosht werden zu Songs wie „Blutwurst extrem“ oder „Vegetarianismus“, die den Musikern von Gorecast gewidmet wurde. Die hochbrisanten Songs behandelten allesamt ernsthafte Themen und waren oftmals unmenschlich lang – Songs von zehn Sekunden waren keine Ausnahme. Sagenhaft. Monumental. Grandios. Es gebe auch Themen, die seien unvermeidlich und trotzdem beschäftige man sich mit ihnen, wir mit dem Problem der „Masturbation mit einer Markenbohrmaschine“, so Gitarrist und Rhetorik-Gott H-Bob. Sehr gut. Das macht Mut.

Napalm Entchen Fotos: Maik Gaede für [a]live: promotion, 2009
Das nächste Chaos Empire wartet mit einem Sonderevent am 09.März 2009 auf. An diesem Abend werden im Rahmen der LUKT TIL HELVETE-Tour die Norweger von Taake , Creature (D) und Reign in Blood (D) im From Hell auftreten. Das nächste reguläre Chaos Empire findet dann am 14.03.2009 als Death Metal-Nacht statt.
Text: Doreen Brand
Fotos: Maik Gaede
© 2009 [a]live: promotion, http://www.myspace.com/aliveerfurt
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